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  Aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung
28. September  2016

Alleinerziehende von Armut bedroht

Erschreckend: Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung bekommt jedes zweite Kind getrennt lebender Eltern keinen Unterhalt und ein Viertel der betroffenen Kinder erhält weniger als ihm zusteht. Eine traurige Bilanz! Durch die fehlende oder unzureichende finanzielle Unterstützung leben in Deutschland knapp eine Millionen Alleinerziehende von Hartz IV.

"Kinderarmut ist damit ganz wesentlich auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen. Dagegen brauchen wir gezielte Maßnahmen. Nur so ermöglichen wir mehr Bildungs- und Teilhabechancen für fast eine Million betroffene Kinder."

Dr. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung, durchgeführt von Professorin Anne Lenze (Hochschule Darmstadt) und Antje Funke (Bertelsmann Stiftung) verdeutlicht, wie akut die Problematik ist.
2,3 Millionen Kinder wachsen in Deutschland in einer Ein-Eltern-Familie auf. Sie sind häufiger von Armut betroffen als Gleichaltrige, die mit beiden Elternteilen unter einem Dach leben. 37,6 Prozent der Alleinerziehenden in Deutschland bezogen im letzten Jahr SGB-II-Leistungen, fünfmal so häufig wie Paarhaushalte mit Kindern.

Das Armutsrisiko von Alleinerziehenden ist nach wie vor sehr hoch. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ihre Situation sogar weiter verschlechtert: 42 Prozent bezogen 2014 ein Einkommen, das weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens entsprach. Im Vergleich zu 2005 sind das 6,6 Prozentpunkte mehr. Die Ursache für die finanziell schwierige Situation von Ein-Eltern-Familien liegt häufig in fehlendem Unterhalt. So liegt das Budget selbst berufstätiger Single-Mütter – über 60 Prozent aller alleinerziehenden Frauen handeln neben dem Alltag mit Kind noch das Berufsleben –selten über der Armutsgrenze.

Doch wie kann man die finanzielle Schieflage langfristig begradigen? Eine große Erleichterung wäre laut Bertelsmann Studie die Änderung der Regelung für den Kindesunterhalt. Bei mangelnder Zahlungsbereitschaft müsse die Durchsetzung der Unterhaltsansprüche der Kinder verbessert werden. Zudem solle der Unterhaltsvorschuss grundlegend reformiert werden.

Erste politische Reaktionen auf die Studie lassen auf Besserung hoffen. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) meldete sich zu Wort und drohte mit härteren Sanktionen. Im Interview mit dem Rundfunk Berlin-Brandenburg machte Schwesig klar, dass ihrer Meinung nach die Vorgehensweise beim Einfordern von Unterhalt zu lasch seien. „Es ist nicht in Ordnung, wenn man ein Kind in die Welt setzt, sich dann trennt und dann nicht bereit ist, für das Kind Unterhalt zu zahlen. Wir sollten darüber nachdenken, ob man wie in anderen Ländern nicht auch mal härter zugreift und den Führerschein einzieht", sagte die SPD-Politikerin. Künftig sei es außerdem möglich, sich Kontoauszüge zeigen zu lassen, "und wenn dann doch Geld vorhanden ist, den Unterhalt einzufordern".


 

 

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